Gelsenkirchen. Falsche Lohnabrechnungen im neuen Jahr? Hunderttausende Steuerzahler könnten betroffen sein, befürchtet Bernd Werner, 1. Vorsitzender der Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer e. V., Lohnsteuerhilfeverein, Sitz Gladbeck. Grund dafür ist die Umstellung auf die elektronische Steuerkarte „ELStAM“. Bernd Werner rät: „Unbedingt die Abrechnung prüfen.“

Sind Sie wieder einer Religion zugeordnet, obwohl Sie bereits aus der Kirche ausgetreten sind? Sind Sie plötzlich ledig, obwohl Sie doch seit Jahren verheiratet sind? Mit diesen und zahlreichen anderen fehlerhaften Angaben auf ihren Lohnabrechnungen müssen Steuerzahler im neuen Jahr rechnen. Experten schätzen, dass Hunderttausende davon betroffen sein werden. „Mal wird das Gehalt kleiner in anderen Fällen höher ausfallen als bisher“, beschreibt Bernd Werner den Effekt.

Grund dafür ist die Abschaffung der Lohnsteuerkarte auf Papier und die Einführung des digitalen Verfahrens „ELStAM“ (Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale). Die Lohnabteilungen der Unternehmen erhalten jetzt ihre Daten über die Finanzverwaltungen vom Bundeszentralamt für Steuern. Doch dessen neue Datenbank enthält offenbar Fehler. Der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft Thomas Eigenthaler erklärte im Dezember gegenüber Medienvertretern, Probeläufe in der Vergangenheit hätten gezeigt, dass die Daten in „rund fünf Prozent“ der Fälle falsch gewesen seien.

Der 1. Vorsitzende der Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer rät allen Arbeitnehmern: „Prüfen Sie Ihre Monatsabrechnung.“ Alternativ können Arbeitnehmer ihre Daten im Elster-Portal einsehen oder eine Auskunft bei ihrem Finanzamt beantragen. Wenn Unregelmäßigkeiten auffallen, müssen diese dem Finanzamt mitgeteilt werden. Unterstützung erhalten Betroffene auch von Lohnsteuerhilfevereinen. „Wir sind darauf vorbereitet und werden unseren Mitgliedern zur Seite stehen.“

„Die Umstellung auf die elektronische Lohnsteuerkarte ist offenbar eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen“, erklärte Bernd Werner. ELStAM sollte bereits 2012 eingeführt werden, wurde dann aber kurzfristig um ein Jahr verschoben. Bernd Werner: „Die Sparmaßnahmen der Politik gehen inzwischen so weit, dass den Finanzverwaltungen die Arbeitskräfte fehlen, um solche wichtigen Daten zu überprüfen.“

Chaos bei Lohnabrechnungen ultima modifica: 2019-10-23T18:10:58+02:00 da lsthv-presse