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Was bedeutet der Brexit für Steuerzahler – „Brexit means Brexit“ (Brexit heißt Brexit) – mit diesen Worten hatte die neue britische Premierministerin Theresa May unterstrichen, dass sie das Vereinigte Königreich aus der EU herausführen wird. Was bedeutet der Brexit für Steuerzahler, also für Briten, die in Deutschland leben und arbeiten und umgekehrt für Deutsche die im Vereinigten Königreich tätig sind? „Im Moment ändert sich erstmal nichts“, sagt Bernd Werner, Vorstand der Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer e. V., Lohnsteuerhilfeverein, Sitz Gladbeck. „Und selbst wenn die Briten wirklich das Scheidungsverfahren eröffnen, gelten die bisherigen Bestimmungen noch für mindestens zwei weitere Jahre.“

Was bedeutet der Brexit für Steuerzahler

Was bedeutet der Brexit für Steuerzahler – Foto: © fotogestoeber – fotolia.com

Doch was bedeutet der Brexit für Steuerzahler in Zukunft?

Der ganz wesentliche Punkt „Doppelbesteuerung“ ist in einem Abkommen von 2010 zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich geregelt worden. „Deutsche, die in England leben und arbeiten, müssen für ihre Einkünfte nicht zweimal Steuern bezahlen“, sagt Bernd Werner: „Das gilt umgekehrt auch für Briten. Wo die Steuern gezahlt werden, das regelt das Abkommen.“ Das Doppelbesteuerungsabkommen wird von einem Ausstieg der Briten aus der EU aber nicht außer Kraft gesetzt: „Allenfalls könnte es sein, dass es nachgebessert wird.“

Zahlreiche steuerliche Details werden jedoch von einem Brexit betroffen sein. Zum Beispiel:

  • In den Genuss des sogenannten „Ehegattensplittings“ kommen auch EU- bzw. EWR-Bürger, also auch Briten. Voraussetzung ist, dass sie in Deutschland „unbeschränkt einkommensteuerpflichtig“ sind (§ 1a EStG).
  • EU- bzw. EWR-Bürger können Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten steuerlich als Sonderausgaben geltend machen (§ 1a EStG).
  • Briten die in Deutschland arbeiten können wie deutsche Steuerzahler alle Möglichkeiten der Steuererstattung in Anspruch nehmen. Sie können also Werbungskosten ansetzen, Kosten für die Fahrt zur ersten Tätigkeitsstätte, haushaltsnahe Dienstleistungen und so weiter. Das gilt umgekehrt auch für Deutsche, die im Vereinigten Königreich arbeiten. Auch diese Regelung geht zurück auf EU-Recht.
  • Deutsche Eltern, deren Kinder im Vereinigten Königreich studieren oder eine Berufsausbildung absolvieren, können die Unterstützung für Studiengebühren oder Wohnung und dergleichen mehr als Unterhaltszahlungen von der Steuer absetzen. Da das Vereinigte Königreich zur EU gehört, müssen keine gesonderten Nachweise geführt werden.

„In diesen und weiteren Punkten können sich durch den Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU Änderungen ergeben“, sagt Bernd Werner. Doch die Frage Was bedeutet der Brexit für Steuerzahler könne derzeit noch gar nicht beantwortet werden: „Die Briten wollen ja offensichtlich das Austrittsverfahren frühestens im nächsten Jahr in Gang setzen.“

EU-Recht verlangt, dass zum Beispiel haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen auch dann steuerlich abgesetzt werden können, wenn die Arbeiten im Ausland durchgeführt wurden. Mehr zu haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerker-Leistungen in den Steuernews der Lohnsteuerhilfe.

Was bedeutet der Brexit für Steuerzahler ultima modifica: 2017-02-05T13:28:35+00:00 da Redaktion LSTHV