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Junge Berufseinsteiger haben die Möglichkeit, ihre Ausbildungskosten auch viele Jahre nachträglich noch geltend zu machen. Eine Verjährungsfrist (Festsetzungsfrist), wie bei der Steuererklärung, gibt es nicht. Dies entschied jetzt der Bundesfinanzhof (Az.: IX R 22/14). „Das ist ein wichtiges Urteil für Berufseinsteiger, die ihre erste Ausbildung absolviert haben,“ sagt Bernd Werner, Vorstand der Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer e. V., Lohnsteuerhilfeverein, Sitz Gladbeck. „Eine wichtige Voraussetzung muss allerdings erfüllt sein: „Der Auszubildende darf in den betreffenden Jahren nicht zur Einkommensteuer veranlagt worden sein.“

In dem vor dem Bundesfinanzhof (BFH) verhandelten Fall ging es um eine Frau, die zwischen 2005 und 2007 ihre Erstausbildung absolviert hatte. 2012 reichte sie ihre Einkommensteuererklärung ein.  Dabei machte sie auch die Ausbildungskosten aus den Jahren 2005, 2006 und 2007 in einer Gesamthöhe von rund 17.000 € geltend und zwar als vorab entstandene Werbungskosten. Einnahmen hatte sie in den Ausbildungsjahren nicht erzielt.

Das Finanzamt lehnte den Werbungskostenabzug aus den Ausbildungsjahren ab. Es argumentierte, die Verlustfeststellung könne nur für die Jahre durchgeführt werden, für die auch der Erlass eines Einkommensteuerbescheides noch möglich sei, also maximal für die letzten vier Jahre (§ 10d Abs. 4 Satz 4 EStG, Bindung des Verlustfeststellungsbescheids an den Einkommensteuerbescheid).

Das Finanzgericht jedoch gab der jungen Frau Recht. Der BFH bestätigte dieses Urteil jetzt.

Zur Begründung hieß es, die Werbungskosten dürften auch für weitere zurückliegende Jahre geltend gemacht werden, wenn eine Einkommensteuer-Veranlagung nicht durchgeführt worden sei. In dem Fall bestehe dann auch keine Bindung des Verlustfeststellungsbescheids an den Einkommensteuerbescheid.

„Dieses Urteil hat erhebliche Bedeutung für junge Berufstätige“, sagt Bernd Werner. Denn noch in diesem Jahr soll das Verfassungsgericht eine Grundsatzentscheidung darüber treffen, ob nicht auch die Kosten für Erstausbildung bzw. Erststudium als Werbungskosten steuermindernd angesetzt werden können.

Lesen Sie mehr zum Thema Auszubildung und Steuern:

Steuernews der Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer e. V., Lohnsteuerhilfeverein

 

Ausbildungskosten auch viele Jahre nachträglich von der Steuer absetzen ultima modifica: 2017-09-02T10:45:21+00:00 da Redaktion LSTHV